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Kita-Verpflegung umstellen: Wir begleiten eine Kita im Bremer Modellprojekt GEG

Wie eine Kita in Bremerhaven ihre Verpflegung auf mehr Bio und den DGE-Qualitätsstandard umstellt — und wer dahintersteht.

essen&ernähren begleitet eine kommunale Kita in Bremerhaven dabei, ihre Kita-Verpflegung umzustellen: mindestens 30 Prozent Bio, ein Speiseplan nach DGE-Qualitätsstandard, mehr pflanzliche Gerichte. Den Auftrag hat die Bremer Volkshochschule im Verbundprojekt „Gemeinsam Ernährungswende gestalten” (GEG) vergeben. Der erste Praxisworkshop lief am 21. August 2026 in der Kita-Küche.

Kita-Verpflegung umstellen klingt nach Konzeptpapier. In der Praxis heißt es: Jemand steht morgens in der Küche, hat die Mittagsausgabe im Nacken und soll nebenbei den Wareneinsatz verändern. Genau dort setzt unser Auftrag in Bremerhaven an. Für essen&ernähren sind Michael Loitz und Sarah Schocke im Einsatz — Küchenpraxis und Ernährungswissenschaft im Doppel.

Wer steht hinter dem Auftrag?

Auftraggeberin ist die Bremer Volkshochschule mit ihrem Kompetenzzentrum Forum Küche. Sie ist Verbundpartnerin im Modellprojekt GEG und hat die Change-Management-Beratung öffentlich ausgeschrieben. Den Zuschlag haben wir im Frühjahr 2026 erhalten, die Laufzeit endet im Februar 2027.

GEG gehört zum Bundeswettbewerb „Besser essen in der Region” und wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert. Im Verbund arbeiten die Bremer Volkshochschule, die Verbraucherzentrale Bremen, MOIN! – Ernährungsrat für Bremerhaven, das Cuxland und Umzu sowie das Leibniz-Institut BIPS zusammen, koordiniert von der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft. Den Projektüberblick gibt es bei der Biostadt Bremen und bei der Bremer Volkshochschule.

Warum lässt eine Region ihre Kita-Verpflegung umstellen?

Weil es beschlossen ist. Bremen ist seit 2015 BioStadt, der Aktionsplan 2025 sieht die Umstellung der Verpflegung in städtischen Kitas, Schulen und Kliniken vor. GEG setzt das in der Modellregion Bremen und Bremerhaven praktisch um — mit den DGE-Qualitätsstandards und mindestens 30 Prozent Bio als Zielmarke.

Für die einzelne Küche heißt das: Aus einer Zielzahl im Förderantrag muss ein Speiseplan werden, der montags funktioniert. Diese Übersetzung ist unsere Aufgabe.

Kita-Verpflegung umstellen mit essen&ernähren – Beratung in der Gemeinschaftsverpflegung

Wie läuft die Begleitung ab — vor Ort und online?

In drei Praxisworkshops zwischen August 2026 und Februar 2027, ergänzt durch Online-Formate dazwischen. Vor Ort wird gemeinsam gekocht und beraten, online geht es um Speiseplan, Einkauf und Rückfragen aus dem Alltag. Alle Empfehlungen laufen in einem Umstellungskonzept zusammen, das mit dem Projekt wächst.

Die Ausgangsdaten zu Bio-Anteil und DGE-Umsetzung hatte das Forum Küche bereits vor Projektstart erhoben. Wir haben sie ausgewertet, in Gesprächen mit Küche und Leitung ergänzt und daraus die Handlungsfelder abgeleitet. Das Prinzip dahinter ist dasselbe wie bei unserem praxisnahen Coaching für Küchenteams: Theorieimpulse immer direkt am Herd, nicht im Nebenraum.

Was ist im ersten Workshop passiert?

Der Auftakt fand am 21. August 2026 in der Kita-Küche statt. Gekocht wurde ein Gericht nach DGE-Qualitätsstandard mit fettreichem Fisch als Schwerpunkt. Dazu kamen Trockenware aus Hülsenfrüchten, Rezepte und Informationsmaterial für das Team.

Das Gericht war bewusst aufwendig angelegt. Die Komponenten:

  • Lachs mit Kräuterkruste vom Blech
  • Ofenkartoffeln
  • Kräuterquark als Dip
  • Ofenbrokkoli und rohe Gemüsesticks
  • Couscous als Sättigungsbeilage

Der Nutzen liegt nicht im ganzen Gericht — das ist im Regelbetrieb an einem normalen Dienstag nicht zu schaffen. Der Nutzen liegt in den Bausteinen. Ofenkartoffeln mit Kräuterquark und Gemüsesticks laufen auch ohne Sonderaufwand. So beginnt Veränderung in der Küche: mit Komponenten, die morgen schon funktionieren. Wie sich Hülsenfrüchte in der Gemeinschaftsverpflegung einsetzen lassen, war der zweite Schwerpunkt des Tages.

Kita-Verpflegung umstellen
Kita bis Seniorenheim – Verpflegung umstellen mit essen&ernähren

Woran hakt es, wenn Küchen die Kita-Verpflegung umstellen?

Selten am Willen des Teams. Meistens an drei Stellen: am Grundsortiment im Einkauf, am Anteil verarbeiteter Fertigkomponenten und an der Organisation in der Küche. Wer neue Abläufe lernen soll, braucht Platz, feste Zuständigkeiten und eine Beschaffung, die mitzieht.

Deshalb reicht es nicht, mit der Küche zu sprechen. Die Beschaffungsebene gehört an den Tisch — sonst bleibt der Bio-Anteil eine Zahl im Bericht. Das gilt in der Kita genauso wie in Kantine und Betriebsgastronomie.

Wie geht es im Projekt weiter?

Als Nächstes steht ein Online-Termin zum Speiseplan an: Häufigkeiten prüfen, süße Hauptgerichte ersetzen, Vollkornanteil nach DGE einordnen. Im Oktober folgt der zweite Vor-Ort-Workshop — saisonale, pflanzenbetonte Rezepte, dazu Sarah Schocke mit einem Format zur Ernährungsbildung für die Kinder. Im Januar 2027 kommt der Wirkungscheck, zum Abschluss erhält die Einrichtung ein Teilnahmezertifikat über die Schulungsmaßnahmen.

Wir berichten hier weiter — so wie bei unseren Kochworkshops für Großküchen in NRW.

Häufige Fragen zum Umstellen der Kita-Verpflegung

Was bedeutet der DGE-Qualitätsstandard für Kitas?

Der DGE-Qualitätsstandard beschreibt, wie ein Speiseplan in der Kita-Verpflegung zusammengesetzt sein sollte — Häufigkeiten für Gemüse, Vollkorn, Fleisch und Fisch, dazu Vorgaben zu Getränken und Rahmenbedingungen. Er ist eine Empfehlung, in Förderprojekten aber meist Bedingung.

Wie hoch soll der Bio-Anteil in der Gemeinschaftsverpflegung sein?

Im Projekt GEG lautet das Ziel mindestens 30 Prozent Bio am monetären Wareneinsatz. Für die Auslobung gegenüber Gästen gilt zusätzlich die Bio-Außer-Haus-Verpflegung-Verordnung (Bio-AHVV). Erreicht wird die Marke meist über wenige große Positionen im Grundsortiment.

Wie lange dauert es, eine Kita-Verpflegung umzustellen?

Für einen tragfähigen Weg rechnen wir mit sechs bis zwölf Monaten. In Bremerhaven begleiten wir die Kita bis Februar 2027. Entscheidend ist nicht das Tempo, sondern ob die Veränderungen im laufenden Betrieb bestehen bleiben.

Muss die Küche für mehr Bio mehr arbeiten?

Nicht zwangsläufig. Mehrarbeit entsteht dort, wo Fertigkomponenten durch frische ersetzt werden. Umgekehrt spart ein aufgeräumtes Sortiment Zeit. Wir prüfen deshalb bei jeder Empfehlung, was im Alltag leistbar bleibt — und was nur auf dem Papier funktioniert.

Wer kann eine solche Begleitung beauftragen?

Träger, Einrichtungen und Projektpartner in der Gemeinschaftsverpflegung. Häufig läuft die Vergabe über Förderprojekte oder kommunale Programme. Wir arbeiten direkt mit Einrichtungen ebenso wie als Auftragnehmer für Bildungsträger und Ernährungsräte.


Quellenangabe

Titelbild: essen&ernähren

Kita-Verpflegung umstellen – Beratung anfragen

Ihr wollt eure Kita-Verpflegung umstellen, den Bio-Anteil erhöhen oder den Speiseplan nach DGE aufstellen? Wir kommen in die Küche, kochen mit dem Team und liefern Empfehlungen, die im Alltag halten — für Kitas, Schulen, Kliniken und Kantinen. Schreib uns kurz, worum es geht.

Du arbeitest selbst beratend in der Gemeinschaftsverpflegung? Im Netzwerk von essen&ernähren findest du Kolleginnen und Kollegen aus Küche und Ernährungswissenschaft — Projekte wie dieses entstehen oft genau daraus. Mehr dazu unter Listung im Freelancer-Netzwerk.

Redaktion