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Was hat unser KI-Workshop mit einer Krankenhausküche zu tun?

Ein KI-Workshop, ein Plakat in unter einer Minute und die Frage aus der Klinikbrille: Warum kommt KI in Klinikküchen kaum an und wo könnte sie am meisten helfen? Eine Bestandsaufnahme bis zum Speisenverteilband.

Ein KI-Workshop in unserem Team hat mich neugierig gemacht: Hat sich an meinem alten Arbeitsplatz im Krankenhaus etwas verändert und was ginge mit KI in Klinikküchen überhaupt? KI in Küchen und Kantinen spart heute schon Zeit, etwa bei Aushängen und Texten. In deutschen Klinikküchen kommt davon aber wenig an, weil Daten, Freigaben und Schulungen fehlen. Am meisten helfen könnte KI am Speisenverteilband, bei Allergien und Unverträglichkeiten.

Ich komme aus der Klinikwelt. Als Küchenleitung in einem Krankenhaus war ich für die Patientenverpflegung und die Cafeteria zuständig. Heute arbeite ich bei essen&ernähren, aber der Draht zu meinen früheren Kolleg*innen ist geblieben und die Klinikbrille lege ich nie ganz ab. Auch nicht beim KI-Workshop, den Michael Loitz für unser Kernteam in Hamburg ins Leben gerufen hatte. Eigentlich wollten wir dort herausfinden, welche Arbeit uns KI im Hintergrund abnehmen kann und Martin Ranzau von Adaptig führte uns einen Tag lang durch die Möglichkeiten. Doch je mehr ich ausprobierte, desto öfter wanderten meine Gedanken in meine alte Klinikküche.

Was haben wir im KI-Workshop gemacht?

Wir haben einen Tag lang am eigenen Rechner ausprobiert, was KI heute kann: Anfragen formulieren, Daten auswerten, Plakate gestalten, Abläufe automatisieren und sogar Musik machen. Unser Ergebnis: Es geht erstaunlich viel. Neue Programme führen wir trotzdem nicht ein, wir behalten nur, was uns im Alltag hilft. Unter anderem stand auf dem Programm:

  • mit Gamma ein Plakat gestalten
  • in Lovable eine Kennzahlen-Übersicht bauen, nur durch Beschreiben
  • als Claude-Projekt einen Assistenten einrichten, der Spesenabrechnungen durchsieht
  • mit Suno einen eigenen Song für essen&ernähren produzieren, mein Lieblingsmoment

Den Ausschlag gab das Plakat. Nach nicht einmal einer Minute war es fertig, und da war sie, die Frage: Was davon hätte meine Arbeit damals im Krankenhaus leichter gemacht? Und zack, war ich gedanklich wieder in der Klinikküche. Bei meinen vielen Aushängen für die Cafeteria und die Flure, für Aktionswochen oder geänderte Öffnungszeiten. Viel Zeit ging da fürs Design drauf. Damals war KI in der Küche noch kein Thema.

Heute frage ich mich: Hat sich an meinem alten Arbeitsplatz inzwischen etwas verändert? Und was ginge mit KI in Kliniken grundsätzlich? Was ist erlaubt und wie steht es um die sensiblen Patientendaten? Meine Neugier war geweckt. Also habe ich mich auf Erkundungstour begeben und du kannst mich dabei begleiten.

Wie viele Kliniken nutzen in Deutschland schon KI in der Küche?

Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht. Dokumentierte Beispiele stammen vor allem aus Kliniken im Ausland, aus Betriebsrestaurants großer Caterer und aus der Forschung. Eine deutsche Klinikküche mit KI im Alltag habe ich nicht gefunden. Auch meine früheren Kolleg*innen arbeiten wie eh und je. Meine erste Station war das Netz, natürlich mit KI: Mein Assistent Claude hat mit mir Studien, Fachartikel und Projektberichte durchforstet.

Das sind die belastbarsten Beispiele aus Kliniken:

  • Zürich: Ein Spital misst die Speisereste digital. Zusammen mit einer Kampagne sanken sie von 120 auf etwa 55 Gramm pro Portion.
  • St. Gallen: In einer Geriatrie schätzte eine Kamera mit KI deutlich genauer als das Personal, wie viel Patient*innen gegessen hatten.
  • Essen: Ein Projekt an der Uniklinik will mit KI Abfall und Mangelernährung verringern. Es läuft bis 2027, Ergebnisse stehen noch aus.

Außerhalb der Kliniken ist KI in Küchen und Kantinen schon weiter. Seit unserem Beitrag über KI in der Großküche im März 2026 hat sich dort einiges getan. Ein großer Caterer nutzt KI-Prognosen nach eigenen Angaben inzwischen in allen seinen rund 265 Betriebsrestaurants. Entschieden wird so etwas in der Zentrale, nicht in der einzelnen Küche.

Meine zweite Station waren meine Kolleg*innen von früher. Ich habe sie gefragt: „Hey, wie ist das bei euch? Geht ihr noch selbst auf Station und fragt, was die Patient*innen essen wollen?“ Die Antwort: Ja. Immer noch selbst abfragen, per Tablet, immer noch mit demselben Programm wie damals.

KI in der Großküche: Was wirklich hilft – und was nicht

Warum kommt KI in der Klinikküche kaum an?

An der Technik liegt es selten. Vielen Klinikküchen fehlen verlässliche Daten, über Software entscheidet oft die Zentrale, auch mit Blick auf sensible Patientendaten, und das Team am Band wird kaum geschult. Solange das so bleibt, bleibt KI ein Thema fürs Büro. Das sieht auch das Fraunhofer IAIS so, das sich in einem Whitepaper mit KI im Krankenhaus insgesamt beschäftigt. Die größten Hürden sieht es bei fehlenden Datenstrategien, unklaren Zuständigkeiten, rechtlicher Unsicherheit und mangelnder Akzeptanz. Auf die Klinikküche übertragen, sehe ich drei ähnliche Hürden.

1. Es fehlen Daten

Viele KI-Anwendungen in der Küche rechnen mit Zahlen aus dem Alltag: Wie viele Portionen wurden bestellt, und wie viel kam zurück? Nur mit beidem kann eine KI Mengen vorhersagen oder Verschwendung sichtbar machen, wie im Zürcher Beispiel. In deutschen Kliniken fehlt oft die zweite Hälfte. Bestellt wird zwar teils schon digital, wie bei meinen früheren Kolleg*innen. Was zurückkommt, erfassen laut 6. Care-Studie aber nur 23 Prozent der 453 befragten Krankenhäuser regelmäßig. Ohne diese Zahlen hat eine KI nichts, woraus sie lernen kann. Das betrifft vor allem Prognosen und die Auswertung von Speiseresten. Für Aushänge oder Texte braucht es solche Daten nicht. Wie Messen ohne teure Technik gelingt, liest du im Beitrag Lebensmittelabfälle messen und Kosten sparen.

2. Die Zentrale entscheidet, gerade bei Patientendaten

In Klinikketten und bei großen Caterern legt die IT der Zentrale fest, welche Programme laufen. Ein internationaler Caterer schreibt in seiner KI-Richtlinie vor, nur freigegebene KI-Systeme zu nutzen und keine sensiblen Informationen in öffentliche KI einzugeben. Das ist verständlich, denn es geht um Namen, Kostformen und Allergien. Es kann aber dazu führen, dass KI ganz draußen bleibt, auch bei einem Aushang ohne jeden Patientenbezug. Gegen eine solche Entscheidung kommt eine einzelne Küchenleitung kaum an.

3. Das Team wird nicht mitgenommen

Am Band und in der Spüle gibt es keinen PC. Wenn zu KI geschult wird, erreicht das nach meinem Eindruck vor allem das Büro. Und Technik allein verändert wenig. Wirkung entsteht erst, wenn das Team versteht, wozu sie dient. Mehr dazu im Beitrag Wie Qualitätsvorgaben im Küchenalltag ankommen.

Speisenverteilband in einer Klinikküche

Wo könnte KI in der Klinikküche am meisten helfen?

Dort, wo Menschen unter Zeitdruck Fehler machen, die Patient*innen gefährden: am Speisenverteilband, bei der Endkontrolle der Tabletts, vor allem bei Allergien und Unverträglichkeiten. In den USA werden bereits KI-Kamerasysteme angeboten, die Tabletts vor der Auslieferung prüfen. Unabhängig untersucht ist das bisher kaum. Ob so etwas datenschutzrechtlich und finanziell machbar wäre, kann ich hier nicht beantworten. Aber meine Antwort auf die Frage, wo KI am meisten helfen würde, ist klar: dort, wo menschliche Fehler passieren. Vor allem bei der Bandabnahme.

Wer schon einmal am Band stand, kennt das. Tablett um Tablett, jedes anders zusammengestellt und am Ende prüft ein Mensch mit einem Blick, ob alles stimmt. Gängige Menüerfassungsprogramme prüfen Konflikte mit Kostform oder Allergien schon bei der Bestellung, regelbasiert. Ob am Ende aber das richtige Dessert auf dem richtigen Tablett liegt, sieht nur der Mensch am Band. Was wäre also, wenn am Ende des Bandes ein digitaler Prüfer stünde? Eine Kamera mit KI-Bilderkennung, die erkennt, was auf dem Tablett liegt, es mit der Bestellung abgleicht und sofort Alarm schlägt, wenn etwas fehlt oder ein kritisches Produkt dabei ist.

Gibt es das schon? Teilweise:

In Deutschland gibt es Bandsysteme mit Bildschirmen, die das Anrichten vorgeben, Patientenkarten mit Allergiehinweisen und einer Endkontrolle mit Fotodokumentation. Von KI ist dabei keine Rede (Gastgewerbe-Magazin, 06.11.2024).

Ob solche Technik in deutschen Klinikküchen ankommt, hängt an denselben drei Hürden wie oben.

So startest du: Schulungen und Aushänge, die alle verstehen

Der digitale Prüfer am Band ist Zukunftsmusik. Viel näher liegt etwas, das ich mir damals gewünscht hätte: Hilfe beim Übersetzen. In meiner Klinikküche habe ich mit Menschen aus vielen Nationen gearbeitet. Vor allem Spülkräfte und Küchenhilfen konnten teilweise kaum Deutsch. Gerade bei Hygiene- und Sicherheitsschulungen hatte ich oft den Eindruck, dass nur die Hälfte ankommt. Wie es anders gehen kann, hat Michael Loitz in einer unserer MASTERMINDS erzählt: Er hat einen Vortrag mit KI ins Arabische übersetzt und daraus ein Video gemacht. Die arabischsprachigen Mitarbeitenden haben die Schulung sehr gut verstanden.

Workshop planen: Das kam beim Mastermind noch dazu

Praxisbeispiel: Checkliste für die Endkontrolle

Das Prinzip passt auch auf Aushänge, etwa eine Checkliste für die Endkontrolle am Band. Die Prüfpunkte zu Allergien und Kostformen legst du aus euren Hausstandards fest. Die KI gestaltet daraus einen Aushang mit großer Schrift und Symbolen, in einfacher Sprache und in den Sprachen deines Teams. Jemand, der die jeweilige Sprache spricht, prüft die Übersetzung und du besprichst die Liste mit dem Team, bevor sie hängt.

Pro und Contra: Lohnt sich KI für Schulungen und Aushänge in der Klinikküche?

Als Einstieg lohnt es sich, ob am Band, an der Spüle oder im Kühlhaus. KI gestaltet, vereinfacht und übersetzt Schulungsunterlagen und Aushänge in kurzer Zeit und sie erreichen das ganze Küchenteam. Die Inhalte legst aber du fest und Übersetzungen muss jemand prüfen. In Klinikketten entscheiden außerdem Vorgaben der Zentrale mit. Dafür spricht zuerst die Zeit: Mein Plakat im Workshop stand nach nicht einmal einer Minute. Das Prinzip passt auf viele Aushänge, von Reinigungsplänen über Arbeitsanweisungen bis zur Lagerung im Kühlhaus und keiner davon enthält Patienten- oder Personaldaten. Vor allem aber erreichen sie das Team in der Küche, also genau dort, wo KI sonst nicht ankommt. Aufmerksamkeit brauchen diese Punkte:

  • Inhalte kommen von dir: Welche Prüfpunkte, Allergene oder Hygieneregeln auf einen Aushang gehören, entscheidest du anhand eurer Standards, nie die KI.
  • Übersetzungen prüfen: KI übersetzt schnell, aber nicht fehlerfrei. Ein falsches Wort bei Allergenen oder Reinigungsmitteln kann gefährlich sein.
  • Vorgaben des Hauses: Gehören Aushänge zu deinem Qualitätsmanagement, müssen sie dort freigegeben werden. In Ketten kommen Vorgaben zu Erscheinungsbild und erlaubten Programmen dazu.
  • Lesbarkeit vor Design: In der Küche zählt ein schneller Blick, oft mit nassen Händen und unter Zeitdruck. KI-Entwürfe sind oft eher schick als klar.
  • Kein Ersatz für Einweisung: Ein Aushang erinnert, er schult nicht. Neue Kolleg*innen brauchen trotzdem eine Einarbeitung.

Keiner dieser Punkte spricht gegen KI. Es braucht nur einen klaren Ablauf: Inhalte von dir, Gestaltung und Übersetzung mit KI, Prüfung und Freigabe nach den Regeln des Hauses.

Wenn du dein Team beim Einstieg begleiten lassen willst: Unsere Workshops und Schulungen für Küchenteams setzen da an, wo Neues auf den Küchenalltag trifft.

Fazit: KI in Küchen und Kantinen braucht gute Voraussetzungen

Ein Tag im Workshop, ein Plakat in unter einer Minute und eine Frage, die mich nicht mehr losgelassen hat. KI in Küchen und Kantinen spart heute schon Zeit, in deutschen Klinikküchen kommt davon aber wenig an: Es fehlen Messdaten, Freigaben und Schulungen bis in die Küche. Den größten Nutzen sehe ich dort, wo es um die Sicherheit der Patient*innen geht, am Band. Der Anfang kann trotzdem klein sein: eine Schulung oder ein Aushang, den alle verstehen.  

FAQ: KI in Küchen und Kantinen

Nutzen Krankenhausküchen in Deutschland schon KI?

Bisher kaum. Dokumentierte Beispiele gibt es vor allem aus Kliniken im Ausland, aus Betriebsrestaurants großer Caterer und aus Forschungsprojekten. In deutschen Klinikküchen fehlen oft schon Grundlagen wie regelmäßige Messdaten zu Speiseresten und klare Freigaben.

Gibt es KI-Kontrollen am Speisenverteilband in Kliniken?

Bisher kaum. In Deutschland gibt es Speisenverteilbänder mit Bildschirmen, die das Anrichten vorgeben und Endkontrollen mit Fotodokumentation. Eine KI, die jedes Tablett automatisch mit der Bestellung abgleicht und bei Allergierisiken Alarm schlägt, ist in deutschen Klinikküchen bisher nicht dokumentiert. Die Kontrolle liegt meist beim Menschen am Band.

Wofür kann eine Küchenleitung KI sofort nutzen?

Für Aufgaben ohne sensible Daten: Aushänge für Cafeteria und Flure, Speiseplantexte, Checklisten und übersetzte Schulungsunterlagen, etwa eine mehrsprachige Prüfliste für das Band. Die Inhalte legt die Küchenleitung fest, die KI gestaltet und übersetzt. Allergenangaben kommen immer aus der eigenen Rezepturverwaltung, Übersetzungen prüft jemand mit Sprachkenntnis.

Welche Daten gehören nicht in offene KI-Programme?

Namen, Kostformen und Allergien von Patient*innen oder Bewohner*innen, Personaldaten aus Dienstplänen sowie Einkaufspreise und Rezepturen. Unproblematisch sind Aufgaben ohne Personenbezug wie Aushänge, Rezeptideen oder Speiseplantexte. Im Zweifel gelten die Vorgaben des eigenen Hauses.

Was verlangt die KI-Verordnung der EU von Küchenbetrieben?

Wer KI nutzt, muss Maßnahmen ergreifen, damit die Mitarbeitenden damit umgehen können. Diese Pflicht gilt seit Februar 2025. Strengere Regeln gelten nur für Hochrisiko-KI, etwa zur Bewertung von Beschäftigten und erst ab Dezember 2027 (EU-Kommission).

Brauchst du Unterstützung beim Thema KI in deiner Krankenhausküche?

Du willst wissen, wo KI in deiner Klinikküche sinnvoll ist oder suchst eine Schulung, die das ganze Team mitnimmt? In einem ersten Gespräch schauen wir auf deine Abläufe und klären den nächsten Schritt. Buche hier deine Projektanfrage.

Quellenangabe

Deutsches Ärzteblatt: Speisereste im Krankenhaus (2023)
Fraunhofer IAIS: KI im Krankenhaus (2026)
Stadtspital Zürich: Nachhaltigkeit
Nutrients: KI-Studie Geriatrie St. Gallen (2021)
catering.de: Uniklinik Essen (2026)
Gastgewerbe-Magazin: Speisenverteilung (2024)
Hersteller: KI-Tablettkontrolle (2026)
Hersteller: Menüerfassung
Caterer: KI-Prognosen (2026)
Caterer: KI-Richtlinie (2026)
EU-Kommission: AI Omnibus (2026)
EU-Kommission: Zeitplan KI-Verordnung

Titelbild: essen&ernähren, eigene Aufnahme aus dem KI-Workshop  

 

Kerstin
Kerstin, Ernährungsfachkraft

Kerstin Tillmanns ist Diätassistentin und Hotelfachfrau, mit Erfahrung aus Klinikleitung und Veranstaltungsorganisation. Sie verbindet ernährungstherapeutisches Fachwissen mit Betriebs- und Personalführung. Ihre Themen sind Teamentwicklung und der Umgang mit Konflikten in der Küche.