Die Hygieneschulung für dein Küchenteam ist Pflicht – sie kann aber mehr sein als ein Pflichttermin. In Oldenburg habe ich im August 2026 rund 60 Mitarbeitende eines Schulcaterers an einem Vormittag geschult: Folgebelehrung nach § 43 IfSG, Lebensmittelhygiene, DGE-Qualitätsstandard und Bio-AHVV in einem Paket. Ein Teil lief auf Arabisch, übersetzt mit KI. Hier zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du so eine kombinierte Schulung planst.
Samstagmorgen, 15. August 2026, Helene-Lange-Schule in Oldenburg. Vor mir sitzen rund 60 Köchinnen, Köche, Ausgabekräfte und Fahrer. Viele sind extra aus anderen Standorten angereist. Am Samstag. Für eine Pflichtschulung. Die Stimmung? Erst mal abwartend.
Vier Stunden später sah das anders aus. Und genau darum geht es in diesem Beitrag: Wie du aus der Hygieneschulung für dein Küchenteam einen Termin machst, von dem alle etwas mitnehmen. Die Schulung war der Höhepunkt einer langen Begleitung, über die wir im Praxisbericht zur Bio-Zertifizierung beim Caterer ABC Kochwerk ausführlich berichten.
Warum lohnt es sich, die Hygieneschulung mit anderen Themen zu kombinieren?
Weil das Team ohnehin zusammenkommt. Die Belehrung nach Infektionsschutzgesetz ist alle zwei Jahre Pflicht. Wenn du Qualitätsthemen wie DGE, Bio oder nachhaltige Praktiken gleich mitnimmst, sparst du einen zweiten Termin. Und dein Team versteht, warum Hygiene, Qualität und Zertifizierung zusammengehören.
In vielen Küchen läuft die Hygieneschulung so: Ordner auf, Paragrafen vorlesen, Unterschrift, fertig. Das erfüllt die Pflicht. Hängen bleibt davon wenig.
Mein Ansatz in Oldenburg hieß deshalb „ALL-IN“. Pflicht und Weiterbildung an einem Tag, mit einem roten Faden: Was macht unsere Qualität aus – und was hat jede und jeder Einzelne damit zu tun?
Schritt 1: Wähle den richtigen Anlass für die Hygieneschulung
Der beste Zeitpunkt ist ein natürlicher Neustart. In der Schul- und Kitaverpflegung ist das der Beginn des Schuljahres. Neue Kolleg*innen fangen an, Abläufe werden neu sortiert, und alle sind noch frisch.
In Oldenburg kam dazu: Die Küchen hatten gerade ihre Bio-Zertifikate und DGE-Auszeichnungen erreicht. Das Team sollte wissen, was erreicht wurde und worauf es im Alltag jetzt ankommt. Ein besserer Anlass ging kaum.
Ehrlich gesagt: Ein Samstag ist für Küchenteams kein Traumtermin. Wenn es nicht anders geht, sag offen, warum. Und sorg dafür, dass sich die Anreise lohnt.
Schritt 2: Trenne Pflichtteil und Weiterbildung sauber
Die Folgebelehrung nach § 43 Absatz 4 IfSG ist der Pflichtteil. Der Arbeitgeber muss Beschäftigte nach Aufnahme ihrer Tätigkeit und danach alle zwei Jahre belehren und die Teilnahme dokumentieren. Dieser Teil braucht einen klaren Platz im Programm – und einen eigenen Nachweis.
Darauf baust du die Weiterbildung auf. In Oldenburg waren das diese Themen:
- Lebensmittelhygiene im Alltag: Händehygiene, Wareneingang, Temperaturen – mit Beispielen aus den eigenen Küchen.
- Grundlagen gesundheitsfördernder und nachhaltiger Ernährung: Warum Hülsenfrüchte, Vollkorn und fettreicher Fisch auf den Speiseplan gehören.
- DGE-Qualitätsstandard: Was hinter der Auszeichnung „DGEprüfte Qualität“ steckt und was das für jede Schicht bedeutet.
- Bio-Zertifizierung nach Bio-AHVV: Wareneingang, getrennte Lagerung, Kennzeichnung – und warum ein falsches Etikett ein echtes Problem ist.
- Kennzeichnung und Gästekommunikation: Was auf dem Speiseplan stehen darf und was nicht.
- Standortspezifische Maßnahmen: Was ist in welcher Küche konkret zu tun?
Klingt nach viel. Funktioniert aber, wenn du nicht jedes Thema in die Tiefe treibst. Ziel ist nicht Expertenwissen, sondern: Jede Person weiß, was ihr Beitrag ist.
Neun Auszeichnungen in 1,5 Jahren: Wie ABC Kochwerk Bio und DGE gemeistert hat
Schritt 3: Wie erreichst du mehrsprachige Küchenteams bei der Hygieneschulung?
Indem du die wichtigsten Inhalte in der Sprache anbietest, die die Menschen am besten verstehen. In Oldenburg habe ich einen Teil der Hygienebelehrung vorab mit KI ins Arabische übersetzt. Viele arabischsprachige Kolleg*innen haben die Inhalte so zum ersten Mal wirklich verstanden. Wichtig: Lass die Übersetzung gegenlesen.
In vielen Küchen arbeiten Menschen, die gut Deutsch sprechen – aber nicht unbedingt das Behördendeutsch einer Infektionsschutzbelehrung. Genau da geht viel verloren. Tätigkeitsverbote, Meldepflichten, Händehygiene: Das sind Inhalte, die jede Person sicher verstehen muss.
Die Wirkung hat mich selbst überrascht. In der Pause sprach mich ein Fahrer an: „Gute Idee. So was hat noch nie jemand gemacht. Endlich haben wir mal alle Mitarbeiter erreicht.“
So gehst du vor:
- Sprachen im Team klären: Frag vorher bei der Küchenleitung nach, welche Sprachen im Team vertreten sind.
- Kerninhalte auswählen: Übersetze nicht alles, sondern die Teile, die sicher verstanden werden müssen.
- Mit KI übersetzen: Ein KI-Assistent liefert in wenigen Minuten einen guten Entwurf. Wie das konkret aussieht, haben wir in unserem Bericht über KI als Übersetzungshilfe im Workshop beschrieben.
- Gegenlesen lassen: Eine muttersprachliche Person aus dem Team prüft kurz, ob Fachbegriffe stimmen.
Mehr dazu, wie KI im Küchenalltag hilft, findest du in unserem Beitrag Was hat unser KI-Workshop mit einer Krankenhausküche zu tun?
Schritt 4: Mach aus dem Vortrag eine Mitmach-Schulung
„Nicht nur Theorie, nicht nur Vortrag und Paragrafen. Vor uns sitzen Küchenteams – die brauchen Action und Praxisimpulse.“ Das war mein Leitsatz für Oldenburg. Und er gilt für jede Hygieneschulung im Küchenteam.
Was in der Praxis funktioniert:
- Zeigen statt erzählen: Echte Lieferscheine, echte Etiketten, echte Speisepläne aus den eigenen Küchen.
- Fragen ins Team geben: „Wie macht ihr das bei euch?“ bringt mehr als jede Folie.
- Erfolge sichtbar machen: Wenn eine Küche gerade ausgezeichnet wurde, zeig das. Das Team hat es erarbeitet.
- Pausen ernst nehmen: Kaffee, Snacks, belegte Brötchen. Klingt banal, entscheidet aber über die Stimmung. In den Pausen entstehen oft die besten Gespräche.
Wenn du tiefer in die Planung einsteigen willst, lies unseren Beitrag So planst du einen Workshop für dein Küchenteam.
Was gehört in die Dokumentation der Schulung?
Mindestens ein Teilnahmenachweis mit Datum, Ort, Inhalten, Referent*in und Unterschrift jeder teilnehmenden Person. Für die Belehrung nach § 43 IfSG ist die Dokumentation gesetzlich vorgeschrieben und muss beim Arbeitgeber aufbewahrt werden. Für Audits und Zertifizierungen hilft es, auch die Weiterbildungsinhalte sauber aufzulisten.
In Oldenburg lief das über einen gemeinsamen Teilnahme- und Schulungsnachweis für alle Themen. Bei 60 Personen heißt das: Listen vorbereiten, an mehreren Tischen auslegen, am Ende einsammeln. Klingt nach Kleinkram – erspart dir aber nachher das Hinterherrennen.
Mein Tipp: Plane die Unterschriften nicht ans Ende, wenn alle schon die Jacke anhaben. Lieber direkt nach dem Pflichtteil.
Was bleibt nach der Schulung im Küchenalltag?
Im besten Fall ein Team, das weiß, warum es tut, was es tut. Dazu ein sauberer Nachweis für Behörden und Audits. Und konkrete Maßnahmen für jede Küche. Eine Auszeichnung oder ein Zertifikat für das Team macht den Erfolg zusätzlich sichtbar – auch für Gäste und Auftraggeber.
In Oldenburg hängen jetzt die Zertifikate der DGE und der Bio-Kontrollstelle an der Wand. Dazu kommt unsere Auszeichnung von essen&ernähren für die Weiterentwicklung der Küchenteams. Die vergeben wir bei längeren Begleitungen – weil hinter jedem offiziellen Siegel Menschen stehen, die den Weg mitgegangen sind.
Danke an Jörg, Torsten, Ingo und Stephan und an alle, die an diesem Samstag dabei waren. Ihr habt aus einer Pflicht eine echte Weiterbildung gemacht. Wie wir solche praxisnahen Schulungen für Küchenteams auch in anderen Einrichtungen umsetzen, zeigt unser Bericht aus der Rehaklinik Selenter See.
Häufige Fragen zur Hygieneschulung im Küchenteam
Wie oft muss eine Hygieneschulung nach Infektionsschutzgesetz stattfinden?
Nach § 43 Absatz 4 IfSG muss der Arbeitgeber Beschäftigte nach Aufnahme ihrer Tätigkeit und danach alle zwei Jahre belehren. Die Teilnahme ist zu dokumentieren. Die Erstbelehrung vor Beginn der Tätigkeit übernimmt das Gesundheitsamt oder ein beauftragter Arzt.
Darf man die Belehrung nach § 43 IfSG mit anderen Schulungsthemen kombinieren?
Ja. Wichtig ist, dass die Inhalte der Belehrung vollständig vermittelt und dokumentiert werden. Danach kannst du weitere Themen wie DGE-Qualitätsstandard, Bio-Zertifizierung oder Lebensmittelhygiene anschließen. Ein gemeinsamer Teilnahmenachweis mit klarer Auflistung aller Inhalte macht das für Audits nachvollziehbar.
Kann man eine Hygieneschulung mit KI übersetzen?
Ja, als Unterstützung. KI-Werkzeuge liefern schnell gute Übersetzungsentwürfe, auch für Sprachen wie Arabisch. Gerade bei Fachbegriffen und rechtlichen Inhalten sollte aber eine muttersprachliche Person gegenlesen. So stellst du sicher, dass Tätigkeitsverbote und Meldepflichten richtig verstanden werden.
Wie lange sollte eine kombinierte Schulung für Küchenteams dauern?
In Oldenburg haben wir Belehrung, Hygiene, DGE und Bio in vier Stunden untergebracht. Das funktioniert, wenn die Themen praxisnah und nicht zu tief behandelt werden. Plane genug Pausen ein. Für größere Gruppen lohnt es sich, an mehreren Tischen parallel zu arbeiten.
Was bringt ein Zertifikat für die Teilnehmenden?
Ein Zertifikat macht die Weiterbildung sichtbar. Es kann in die Personalakte und zählt als nachgewiesene Qualifikation. Für viele Mitarbeitende wird so aus einem Pflichttermin eine Anerkennung. Für den Betrieb ist es zugleich ein Nachweis gegenüber Auftraggebern und bei Audits.
Du willst die nächste Hygieneschulung für dein Küchenteam mit Qualitätsthemen verbinden – vor Ort, praxisnah und auf Wunsch auch mehrsprachig? Schick uns deine Projektanfrage. Wir planen gemeinsam ein Format, das zu deinem Betrieb passt.
Quellenangabe
Infektionsschutzgesetz: § 43 IfSG – Belehrung, Bescheinigung des Gesundheitsamtes
IHK Berlin: Infektionsschutzgesetz (IfSG)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): DGE-VerpflegungsCheck
Bundesministerium der Justiz: Bio-Außer-Haus-Verpflegung-Verordnung (Bio-AHVV)
Titelbild: Original-Flyer – generiert mit CANVA von Ingo aus Oldenburg