Algen im Schulessen – funktioniert das?

Algenspaghetti in der Praxis: Kochen mit dem Küchenteam
Letztens hatte ich wieder die Gelegenheit, beim Rebional-Küchenteam im Tor zur Welt in Hamburg-Wilhelmsburg mit zu kochen. Workshop würde ich es nicht nennen. Ich komme regelmäßig in die Küche, um Impulse zu liefern oder auch fachlich zu schulen, insbesondere wenn es um DGE oder Bio geht. Ich probiere mit dem Team neue Rezepte oder Kreationen aus – oft coole neue Produkte von Start-ups oder ungewohnte Zutaten, die nicht gerade konventionell auf den Speiseplänen zu finden sind. Dieses Mal hatte ich es lange vorher angekündigt: Ich bringe Algenspaghetti mit!
Impuls von der Messe: Algengerichte und neue Ideen aus Nürnberg
Hintergrund war mein Messebesuch auf der Biofach in Nürnberg, wo ich bei einer interessanten Vorführung war – natürlich rund um die Verarbeitung von Algen, mit Kochaktion und Info-Event über Algenarten und deren Einsatz in Gerichten.
Warum Algen immer relevanter werden
Algen sind nicht nur eine nachhaltige Mineralstoffquelle, sondern bieten auch unerwartet hohe Mengen an Ballaststoffen, die unsere Gesundheit fördern. Mehr über Algen, Jod und Gesundheit, insbesondere Jod – Bedarf, Mangel und Überschuss: Hier.
Algen gewinnen zunehmend an Bedeutung als wichtige Quelle von Ballaststoffen und bieten eine interessante Alternative zu traditionellen Ballaststoffquellen wie Vollkornprodukten, Obst und Gemüse. Diese Unterwasserpflanzen sind reich an Nährstoffen und haben das Potenzial, unsere Ernährungsgewohnheiten nachhaltig zu bereichern.
Algengerichte im Schulessen: Realitätscheck in der Praxis
Nun ist die Küche & Kantine in Wilhelmsburg für die Schulen vor Ort zuständig, die Tischgäste also Schüler*innen. Ganz ehrlich? Nein, hier funktionieren Algen nicht – jedenfalls möchte ich das behaupten, ohne es überhaupt zu versuchen. Ich sehe das Potenzial eher in der Gastronomie. Wenn Gemeinschaftsverpflegung, dann Betriebskantine oder Uni-Mensen. Besonders ernährungsbewusstes Publikum, insbesondere Veggies oder sogar Veganer*innen, wäre ein super Publikum für diese neuen Kreationen.
Das Lehrerbuffet als perfekte Spielwiese
In dieser Einrichtung gibt es ein separates Lehrerbuffet – perfekt! Dort darf mehr als kreativ gekocht werden. Hier dürfen außergewöhnliche Kreationen getestet werden. Hier habe ich schon mit Tofu, Tempeh und veganem Käse experimentiert. Also super passend für das Algen-Test-Projekt.
Algengerichte neu gedacht: Von Sushi bis Pasta
Welches Gericht sollte es sein? Algen sind sehr vielfältig und nachhaltig sowieso. Nicht nur Sushi und asiatische Gerichte funktionieren. Salate, Pilze, Bowls, Smoothies, Suppen – sogar Kuchen gibt es. Weitere Beispiele Hier.
Praxisrezept: Algenspaghetti mit Pesto Genovese
Ich habe mich für ein bekanntes Gericht entschieden und dieses mit getrockneten Algenblättern gepimpt: Bio-Algenspaghetti aus bekannten Bio-Spaghetti, kombiniert mit spaghettiähnlichen „Meeresspaghetti“. Das Ganze mit Pesto Genovese.

Hier das Rezept:
• 1 kg Spaghetti
• 100 g Bio-Meeresspaghetti (getrocknete Algenblätter)
• 500 g Kirschtomaten
• Parmesan (oder anderer Hartkäse)
• frischer Basilikum
• Cashewkerne
• frische Knoblauchzehe
• Olivenöl
Zubereitung der der Großküche
Die Zubereitung in der Großküche? Ganz easy. Zunächst die normalen (echten) Nudeln al dente abgekocht, dann separat die Algenspaghetti. Die Cashewkerne in einer Pfanne geröstet, die Kirschtomaten halbiert. Viel Knoblauch und einige rote Zwiebeln geschnitten, diese im Olivenöl angeschwitzt, dann die Tomaten darin gedünstet und mit einem guten eingekauften Cashewpesto kurz mitgeröstet. Die Nudeln in Blechen mit allen Zutaten vermischt, gewürzt und zum späteren Regenerieren bereitgestellt. Das war’s schon! Zeitnah bei Kombidampf erhitzt und mit frischem Basilikum sowie einigen beiseitegestellten Kirschtomaten garniert. Dazu den Parmesan bereitgestellt.
Algengerichte auch vegan möglich
Ein komplett ausreichendes Gericht! Wer möchte, kann es sogar in veganer Variante – ohne Parmesan bzw. Hartkäse im Pesto – herstellen. Hier gibt es auch gute Käsealternativen 🙂
Praxisblick: Motivation im Küchenteam
Das Küchenteam ist super motiviert – nicht nur, wenn es Algen oder andere exotische Gerichte gibt. Jeden Tag wird bestmöglich frisch gekocht. Der Bio-Anteil ist immer über 30 %, oftmals monatlich sogar schon bei 50 %. Es werden jeden Tag für viele Kinder tolle Gerichte hausgemacht zubereitet. Ich bin immer wieder begeistert, wie lecker es dort ist!
Fazit: Algenspaghetti als Impuls für die Gemeinschaftsverpflegung
Und die Lehrer? Durften Algenspaghetti essen – und es kam nur positives Feedback. Die Lehrer stehen drauf! Abwechslung und kreative neue Nuancen. Ihr seid in der Gastro oder habt auch ein Lehrerbuffet? Probiert es aus!
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Quellen:
Titelbild + Bilder Collage: Michael Loitz, essen&ernähren
Algenladen/algenladen.de