Wie du mit Gewaltfreier Kommunikation die Teamkultur in deiner Großküche stärkst

Die Uhr tickt, die Ausgabe rückt näher, der Spüler quillt über und ein lauter Befehl hallt durch die Küche. Szenen wie diese prägen viele Großküchen mit hohem Zeitdruck, wechselnden Teams und unterschiedlichen Hintergründen.
In der Küche muss es laufen und über die Jahrzehnte hat sich ein rauer Kommunikationsstil etabliert. Missverständnisse, Demotivation und hohe Fluktuation verursachen enorme versteckte Kosten. Ist der raue Ton ein Geschäftsrisiko?
Wenn der Ton den Takt angibt
In Zeiten von Coaching und Persönlichkeitsentwicklung merken Leitungskräfte, wie sehr der Tonfall entscheidet, ob ein Team nur funktioniert oder engagiert arbeitet.
Menschen sind motivierter, wenn sie Sinn sehen, respektiert werden, mitgestalten dürfen und gehört werden. Gewaltfreie Kommunikation (GFK) bietet einen Ansatz, der Motivation, Eigenverantwortung und Zusammenarbeit stärkt, ohne Klarheit oder Effizienz zu verlieren.
Warum Küchenkommunikation historisch fordernd ist
Die Sprache in Küchen ist historisch geprägt durch Hierarchie, klare Aufgabenverteilung und militärische Strukturen. Zeitdruck, Leistungsorientierung und geringe Fehlertoleranz führten zu einem autoritären, direkten Ton. In Deutschland kommt starkes Leistungsdenken hinzu: Sprache diente lange eher dazu, zu steuern als Bedürfnisse sichtbar zu machen. Genau hier setzt GFK an.
Was ist Gewaltfreie Kommunikation?
GFK wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt und zeigt, dass hinter jedem Verhalten ein Mensch mit Bedürfnissen steckt. Vier Kernschritte helfen, dies praktisch umzusetzen:
- Beobachtung – sachlich wahrnehmen, ohne zu bewerten
- Gefühl – erkennen, was in mir passiert
- Bedürfnis – verstehen, was ich wirklich brauche
- Bitte – klar, konkret und freiwillig äußern
In Küchen bedeutet das: klar, respektvoll und wirksam kommunizieren, ohne an Durchsetzungskraft zu verlieren. Jede Ansage kann so Verbindung, Motivation und Vertrauen fördern, statt nur ein Befehl zu sein.
Menschen und Geschichten am Arbeitsplatz
Jede Person bringt eine eigene Geschichte und innere Prägungen mit, die beeinflussen, wie wir auf Situationen und andere Menschen reagieren. Oft reagieren wir nicht auf andere, sondern auf das, was unsere Erfahrung oder Glaubenssätze in uns auslösen.
Wer seine inneren Muster und Trigger erkennt, kann eigene Reaktionen und die des Teams besser einordnen und verstehen, warum Worte, Situationen oder Verhalten anderer unbewusst intensive Gefühle aktivieren können.
Mini-Übung: Was steckt dahinter?
Beobachte heute einen Moment, in dem du innerlich stark reagierst. Welche eigene Geschichte oder Prägung könnte diese Reaktion ausgelöst haben?

Von Befehlen zu Bitten
Oft sind es nur kleine Änderungen oder Ergänzungen einer Formulierung um aus einem Befehl eine Bitte zu machen. Die Auswirkung ist jedoch nicht zu unterschätzen, wenn dein Gegenüber sich plötzlich wahrgenommen fühlt. Das stärkt Motivation, Zufriedenheit und Kooperationsbereitschaft.
Klassische Anweisungen einfach umgestellt
Klassisch: Die Suppe ist falsch gewürzt.
GFK: Die Suppe schmeckt milder als im Rezept. Können wir sie noch nachwürzen?
Klassisch: Die Bestellung ist noch nicht fertig.
GFK: Wir liegen hinter dem Zeitplan bei der Bestellung. Könnt ihr mir kurz sagen, wie wir aufholen können?
Klassisch: Räum den Spüler jetzt aus!
GFK: Wir müssen den Spüler jetzt leeren. Wäre es möglich, dass du das übernimmst?
Unterschied zwischen Bitte und Forderung
Eine echte Bitte in der GFK ist freiwillig, konkret und respektvoll. Sie gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, zuzustimmen oder abzulehnen. Ein Satz, der mit „Bitte …“ beginnt, ist nicht automatisch eine Bitte, wenn er weiterhin Druck ausübt. In der Küche bedeutet das: auch unter Zeitdruck können Bitten klar und verbindlich formuliert werden, ohne autoritär zu wirken.
Besonders wirkungsvoll sind Verbindungsbitten: kurze Momente der Abstimmung, in denen du zusammenfasst, was du verstanden hast („Wenn ich richtig verstanden habe…“), deine Gefühle oder Bedürfnisse ansprichst („Ich merke, dass es stressig ist…“) und eine verbindende Bitte formulierst („Könntest du mir kurz bestätigen, dass das klappt?“).
Mini-Übung: Die verbindende Bitte
Probiere heute eine solche verbindende Bitte aus und beobachte, wie dein Team reagiert.
Sprache an Küchenrealitäten anpassen
Schauen wir uns zur Verstärkung ein Praxisbeispiel an:
Die vorgekochten Gemüseportionen sind noch roh, und die Ausgabe startet in zwei Minuten. Ein sanftes „Ich beobachte, dass das Gemüse noch roh ist“ funktioniert hier kaum. Besser: „OK, das ist passiert. Wir brauchen jetzt sofort eine Lösung. Ich schlage vor, du garst das Gemüse nach, während ich die Ausgabe koordiniere. Ist das für dich machbar?“
Das ist direktiv, aber es wird nach Bestätigung und Kooperation gefragt. Es erfolgt keine Schuldzuweisung, sondern die Arbeitsbeziehung bleibt erhalten, auch unter maximalem Druck. GFK ist also nicht weich, sondern anpassungsfähig!
Wirkung und Chancen von Gewaltfreier Kommunikation
GFK bedeutet nicht, lange Gespräche führen zu müssen. Vielmehr geht es darum, kurz und klar zu bleiben, Bewertungen zu vermeiden, Verantwortung für die eigene Haltung zu übernehmen und Respekt zu wahren.
Gewaltfreie Kommunikation kann insbesondere in multikulturellen Teams helfen, Missverständnisse zu reduzieren, Absprachen zu klären und Zugehörigkeit zu stärken. Gleichzeitig kann sie Eigenverantwortung fördern, die Stimmung verbessern und sich positiv auf Qualität, Stabilität und Zusammenarbeit auswirken. Auch geringere Fluktuation und weniger Ausfallzeiten sind mögliche Effekte einer empathischeren Kommunikationskultur.
Fazit: Sprache verändert alles
Sprache prägt nicht nur den Ton in einer Küche, sondern die gesamte Arbeitskultur. Gewaltfreie Kommunikation ist kein theoretisches Ideal, sondern eine praktische Haltung, die den Alltag spürbar verändert. Teams, die sich gehört fühlen, arbeiten konzentrierter, verantwortungsvoller und mit mehr Freude.
Führung beginnt bei der eigenen Haltung. Wer bereit ist, die eigene Sprache, die eigenen Muster und Trigger zu reflektieren, führt klarer und menschlicher zugleich. Gerade in Großküchen, in denen jeder Moment zählt, entscheidet, ob Worte Druck oder Verbindung schaffen.
GFK bedeutet nicht weniger Führung, sondern bewusstere Führung und manchmal beginnt Veränderung mit einem einzigen Satz.
Wie geht’s weiter?
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Quellen:
Titelbild: Wavebreakmedia von Getty Images Pro/Canva