Hülsenfrüchte in der Kita- und Schulverpflegung: Zubereitungstipps

veröffentlicht von Kea Blum am

Hülsenfrüchte in der Kita- und Schulverpflegung

Hülsenfrüchte sind eine nährstoffreiche Eiweißquelle für Kinder und damit ideal für den Speiseplan von Kitas und Schulen geeignet. Doch so wertvoll Hülsenfrüchte aus ernährungsphysiologischer Sicht auch sind, so schwierig kann es sein, Kinder dafür zu begeistern. Auch die Verträglichkeit ist für Küchenleitungen ein wichtiger Aspekt bei der Frage nach der Verwendung. Mit einigen Tipps lassen sich die Bekömmlichkeit und Akzeptanz von Hülsenfrüchten jedoch deutlich steigern.

Bohnen, Linsen und Co.: Nachhaltige Nährstoffbomben

Ein Blick auf die Nährwerte von Hülsenfrüchten zeigt, wie wertvoll sie aus ernährungsphysiologischer Sicht sind. Besonders ihr hoher Anteil an Proteinen ist hervorzuheben. 100 Gramm gegarte Hülsenfrüchte liefern laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung e. V. bis zu 15 Gramm Protein. Sie sind zudem reich an den Vitaminen B1, B6 und Folat und versorgen den Körper mit Eisen, Magnesium, Zink und sekundären Pflanzenstoffen. Positiv hervorzuheben ist auch der hohe Gehalt an unverdaulichen Kohlenhydraten, die sogenannten Ballaststoffe. Die Kombination aus reichlich Eiweiß und Ballaststoffen macht Hülsenfrüchte zu super Sattmachern.

Was viele zudem nicht wissen: Hülsenfrüchte sind ein sehr nachhaltiges Lebensmittel. Während des Wachstums binden sie Stickstoff aus der Luft und reichern ihn im Boden an. Das wiederum hat den Vorteil, dass weniger Mineralstoffdünger zum Einsatz kommen muss. Die Stickstoffanreicherung im Boden erhöht zudem die Bodenfruchtbarkeit und unterstützt die Humusbildung. 

Wie viele Hülsenfrüchte essen wir? Während Hülsenfrüchte in anderen Ländern täglich auf dem Speiseplan stehen, verzehren wir in Deutschland relativ wenig davon. Laut Bundesinformationszentrum für Landwirtschaft (BZL) liegt der geschätzte Pro-Kopf-Verbrauch von Hülsenfrüchten bei etwa zwei Kilogramm pro Jahr. Die Planetary Health Diet, ein Speiseplan, der die Gesundheit des Menschen und des Planeten gleichermaßen schützt, empfiehlt durchschnittlich 75 Gramm Hülsenfrüchte pro Tag. 

Warum verursachen Hülsenfrüchte Blähungen?

So wertvoll die Inhaltstoffe der Hülsenfrüchte auch sind, besonders der hohe Gehalt an unverdaulichen Kohlenhydraten verursacht bei vielen Menschen einen unerwünschten Nebeneffekt: Blähungen. Doch warum kommt es überhaupt zu Blähungen? Das liegt an bestimmten Zuckermolekülen, die unser Dünndarm nicht verwerten kann. Sie gelangen unverdaut in den Dickdarm, wo sie von Bakterien gespalten werden. Dabei entstehen Gase und wir bekommen Blähungen. 

Die Blähungen sind vermutlich auch mit ein Grund dafür, warum viele Küchenverantwortliche in Kita und Schulen Hülsenfrüchte eher selten zubereiten. Auch die Befürchtung, dass Kinder die Gerichte geschmacklich weniger akzeptieren, kann ein Grund sein, warum sie eher selten auf den Speiseplänen von Kitas und Schulen stehen.

Tipps für eine bessere Verträglichkeit und Akzeptanz

Mit der richtigen Zubereitung von Linsen, Erbsen und Co. lässt sich die Verträglichkeit deutlich erhöhen. Kreative, kindgerechte Gerichte können zudem die Akzeptanz für Hülsenfrüchte erhöhen – ideal, um Kinder von klein auf an einen regelmäßigen Verzehr heranzuführen. 

Übrigens: Die DGE empfiehlt in ihren DGE-Qualitätsstandards, in Kitas und Schulen mindestens einmal pro Woche ein Gericht mit Hülsenfrüchten anzubieten. 

  • Führen Sie Gerichte mit Hülsenfrüchten in Kita und Schulen schrittweise ein. Starten Sie mit kleinen Mengen und steigern Sie diese nach und nach. Das fördert die Verträglichkeit.
  • Wenn Sie getrocknete Ware verwenden, dann weichen Sie diese mindestens acht bis zwölf Stunden vor dem Kochen ein. Verwenden Sie dafür die dreifache Menge kaltes Wasser.
  • Theoretisch können Sie das Einweichwasser zum Kochen verwenden. Da ein Großteil der unverdaulichen Kohlenhydrate jedoch in das Einweichwasser übergeht, empfiehlt sich besonders bei kleinen Kindern, die Hülsenfrüchte in frischem Wasser zu garen.
  • Es gibt eine Reihe an Gewürzen, die die blähende Wirkung lindern. Dazu zählen insbesondere Kreuzkümmel, Fenchel, Thymian und Dill. 
  • Hülsenfrüchte in pürierter Form vertragen viele Kinder besser. Das Zerkleinern bricht die Zellwände auf, wodurch Kichererbsen, Linsen und Co. leichter verdaut werden können. Tipp: Ein guter Nachmittagssnack sind Gemüsesticks mit Hummus.

Um die Gerichte mit Hülsenfrüchten für Kinder geschmacklich attraktiver zu machen, bietet es sich an, bekannte Gerichte abzuwandeln. Bereiten Sie beispielsweise eine Bolognese mit roten oder braunen Linsen zu. Verwenden Sie zudem zu Beginn nur kleine Mengen in bekannten Gerichten und steigern Sie diese nach und nach. So gewöhnen sich die Kinder leichter an den Geschmack und die Konsistenz.


Quellenangaben:

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: DGE-Qualitätsstandard
für die Verpflegung in Kitas (Abruf: 02.06.2022)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: DGE-Qualitätsstandard
für die Verpflegung in Schulen (Abruf: 02.06.2022)

DGE: Hülsenfrüchte – versteckte Vielfalt entdecken (Abruf: 02.06.2022)

DGE: Ein Hoch auf Hülsenfrüchte (Abruf: 02.06.2022)

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Hülsenfrüchte (Abruf: 02.06.2022)

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Baden-Württemberg: Leitfaden Hülsenfrüchte in Kita und Schule (Abruf: 02.06.2022)

EAT-Lancet Commission: Healthy Diets from sustainable food systems (Abruf: 02.06.2022)

Bild: anaumenko/Depositphotos.com


Kea Blum

Die selbstständige Ökotrophologin und Ernährungsjournalistin Kea Blum alias „Nutri Agent“ bereitet fundierte Informationen rund um "Food" verständlich und zielgruppengerecht auf – online und offline. Zu den Themenschwerpunkten zählen insbesondere die vegane und nachhaltige Ernährung.

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