Führung beginnt bei dir – wie Selbstreflexion deinen Alltag in der Großküche verändert

Veröffentlicht von Kerstin am

Führung in der Großküche beginnt nicht im Gespräch mit dem Team, sondern in dir selbst. Unter Stress aktivieren sich alte Muster, oft schneller, als dir bewusst ist. Ein Trigger verknüpft eine aktuelle Situation mit einer alten Erfahrung – deshalb reagierst du manchmal heftiger, als es die Lage objektiv verlangt. Dieser Artikel zeigt, was in solchen Momenten in dir passiert, wie du unter Druck präsent bleibst und wie sich Selbstführung im Alltag der Großküche trainieren lässt.

In vielen Küchen und Kantinen läuft der Tag über weite Strecken reibungslos – bis eine einzige Situation kippt. Eine Kollegin fällt kurzfristig aus, die Abläufe geraten durcheinander, und eine Führungskraft reagiert plötzlich lauter oder kontrollierender, als die Lage es eigentlich braucht. In der Beratungspraxis von essen&ernähren taucht dieses Muster immer wieder auf: Nicht das Team ist das eigentliche Problem, sondern der Umgang mit der eigenen Reaktion unter Druck. Genau da setzt Selbstführung an – als Ergänzung zur Gewaltfreien Kommunikation, um die es im ersten Teil dieser Reihe ging.

Was hat Selbstführung in der Großküche mit Gewaltfreier Kommunikation zu tun?

Bevor du bewusst kommunizierst, entscheiden Gedanken, Gefühle und alte Prägungen bereits, wie du eine Situation wahrnimmst. Selbstführung setzt deshalb einen Schritt vor der Kommunikation an. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie spreche ich mit meinem Team? Sondern zunächst: Was geschieht in mir, bevor ich überhaupt spreche?

Im ersten Teil dieser Reihe – wie du mit GFK die Teamkultur in deiner Großküche stärkst – ging es um Sprache und Bitten statt Befehle. Selbstführung ist die Voraussetzung dafür, diese Haltung auch unter Druck durchzuhalten.

Warum aktiviert Stress in der Großküche alte Muster?

Unter Stress reagiert das Gehirn nicht mit neuem Nachdenken, sondern mit vertrauten Mustern. Was früher Sicherheit gegeben hat – laut werden, Kontrolle übernehmen, sich zurückziehen – läuft in belastenden Momenten automatisch ab. Das ist menschlich und zunächst weder richtig noch falsch.

Eine Kollegin meldet sich krank, die Arbeitsaufteilung funktioniert plötzlich nicht mehr, und eine Reaktion folgt, bevor ein bewusster Gedanke dazwischenkommt. Wer das bei sich erkennt, hat bereits den ersten Schritt gemacht.

Was zeigt die Fond-Metapher über Führungsreaktionen?

Von einem guten Fond schmeckt man auf dem Teller nur das Ergebnis. Stunden von Röstaromen, reduzierter Flüssigkeit und Timing bleiben unsichtbar. Bei Reaktionen ist es ähnlich: Sichtbar ist nur das fertige „Gericht”, nicht die Zutaten darunter.

Diese unsichtbaren Zutaten sind Werte, Bedürfnisse, Ängste und Glaubenssätze. Genau dort entstehen die starken Emotionen, die eine Situation manchmal größer wirken lassen, als sie objektiv ist. Wer nur das Ergebnis – die Wut, die Schärfe im Ton – betrachtet, übersieht, was eigentlich dahintersteckt.

Wie wirkt ein Trigger auf die eigene Führung?

Ein Trigger ist ein Reiz, der eine starke emotionale Reaktion auslöst, weil er an eine ältere Erfahrung anknüpft. Das haben wir bereits im ersten Teil dieser Reihe angesprochen. Hier schauen wir genauer hin: Oft reagiert eine Führungskraft nicht nur auf die aktuelle Situation, sondern auf das, was diese Situation in ihr berührt.

Unpünktlichkeit ärgert manche besonders, weil Zuverlässigkeit für sie einen hohen Stellenwert hat. Mangelnde Eigeninitiative löst bei anderen Frust aus, weil sie selbst früh gelernt haben, Verantwortung zu übernehmen. Wer die eigenen Trigger kennt, kann einen Schritt zurücktreten und bewusster handeln, statt automatisch zu reagieren.

Praxisbeispiel: die verdorbene Kühlware

Ein Mitarbeitender lässt Kühlware auf dem Flur stehen. Die Kühlkette bricht ab, die Lebensmittel landen im Abfall, es entsteht ein wirtschaftlicher Schaden. Auf Nachfrage streitet der Mitarbeitende die Verantwortung zunächst ab.

Objektiv betrachtet gibt es zunächst nur Fakten: ein entstandener Schaden und die Frage, wie sich so etwas künftig vermeiden lässt. Was danach passiert, entscheidet über den Unterschied zwischen reflektierter Führung und einer Eskalation.

Woher kommt überzogene Wut in solchen Momenten?

Wenn Wut größer ausfällt, als die Sachlage erklärt, steckt oft mehr dahinter als der aktuelle Vorfall. Ein früh gelernter Glaubenssatz kann einen Wert – etwa Ehrlichkeit oder Verlässlichkeit – besonders stark aufladen, auch ohne dass das im Moment selbst bewusst ist.

Ein Beispiel: Wer als Kind gelernt hat, dass Ehrlichkeit Voraussetzung für Anerkennung ist, trägt oft einen inneren Glaubenssatz wie „Nur wenn ich ehrlich bin, werde ich angenommen.” Wird Ehrlichkeit später verletzt, reagiert nicht nur die Führungskraft im Hier und Jetzt – die Situation kann unbewusst ältere Erfahrungen von Enttäuschung oder Ablehnung berühren.

Warum ist Wut eigentlich eine Schutzemotion?

Wut ist meist die sichtbare Emotion an der Oberfläche. Dahinter liegen häufig Verletzung, Trauer oder die Angst vor Zurückweisung. Wut gibt Energie und Handlungsfähigkeit, während die darunterliegenden Gefühle schwerer auszuhalten sind.

Das deckt sich mit einem Grundsatz der Gewaltfreien Kommunikation: Hinter jedem starken Gefühl steckt ein Bedürfnis, das gerade nicht erfüllt ist. Auch in der Führungspraxis zeigt sich: Wer die eigenen Reaktionen versteht, trifft im Alltag bewusstere Entscheidungen als jemand, der ihnen ausgeliefert ist.

Impulse für deinen Küchenalltag

Du kennst solche Situationen aus der eigenen Küche? Im Newsletter von essen&ernähren bekommst du regelmäßig Impulse zu Selbstführung, Kommunikation und gesunder Kantinen und Großküchen – kurz, praxisnah und ohne Theorieballast.

Wie bleibst du auch unter Druck präsent?

Präsenz bedeutet, wahrzunehmen, was gerade im Inneren passiert, und trotzdem bewusst zu entscheiden, wie du reagierst. Das ist keine Gelassenheits-Show, sondern aktive Selbstführung im Moment – eine Fähigkeit, die du trainieren kannst wie einen Muskel, nur auf psychologischer Ebene. Das erfordert Willen, Geduld und die Bereitschaft, sich verletzlich zu zeigen und Emotionen zuzulassen.

Ein einfacher innerer Satz kann helfen: „Ich bin wütend. Diese Unehrlichkeit triggert etwas in mir. Es geht gerade nicht nur um die verdorbene Ware, sondern auch um meinen Wert von Ehrlichkeit und Vertrauen.” Allein diese Erkenntnis verändert bereits etwas – du beobachtest deinen inneren Prozess, statt ihm ausgeliefert zu sein.

Wie entscheidest du bewusst, statt aus der Wut heraus zu handeln?

Der nächste Schritt ist anspruchsvoller: „Meine Wut ist da und sie darf da sein. Gleichzeitig entscheide ich bewusst, nicht aus dieser Wut heraus zu handeln.” Das bedeutet nicht, Gefühle zu unterdrücken, sondern sich selbst innerlich zu halten und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Diese Fähigkeit lässt sich lernen. Je besser du deine Muster und Trigger kennst, desto größer wird der Raum zwischen Reiz und Reaktion. Genau an diesem Punkt setzt praxisnahes Coaching für Küchenteams an: nicht mit Theorie, sondern mit konkreten Situationen aus dem eigenen Betrieb.

Wie trainierst du Selbstführung im Alltag der Großküche?

Selbstreflexion lässt sich trainieren, indem du dir nach einer aufregenden Situation gezielte Fragen stellst – nicht abstrakt, sondern konkret an einem echten Moment. Schon eine ehrliche Antwort auf die Frage „Worum geht es hier eigentlich?” reicht oft, um mehr Klarheit über die eigene Reaktion zu gewinnen.

Drei Fragen für die nächste aufregende Situation:

  1. Welche Regel galt in meiner Familie, wenn jemand einen Fehler gemacht hat?
  2. Wann war ich das letzte Mal unverhältnismäßig wütend, und worum ging es eigentlich?
  3. Reagiere ich gerade wie mit 25 – oder wie mit 8?

Schon eine dieser Fragen kann helfen, aus dem Autopilot auszusteigen. Wenn du diesen Prozess strukturiert angehen willst, findest du in der Beratung für Gemeinschaftsverpflegung von essen&ernähren einen Rahmen dafür – zugeschnitten auf Küchenleitungen und Träger.

Wie trainierst du Selbstführung im Alltag der Großküche?


Kerstin ist ein wichtiger Teil von essen&ernähren. Sie unterstützt Projekte administrativ, begleitet Veranstaltungen und behält als Community Managerin das Netzwerk im Blick.

Als Coach für Küchenteams stärkt sie Menschen in ihren Rollen, motiviert und bringt Ruhe in komplexe Prozesse. Ihre Erfahrung aus dem echten Küchenalltag – insbesondere im Klinikbereich – mit Selbstführung in der Großküche – verbindet sie mit fundiertem Know-how in gesunder Ernährung.

Fazit: Selbstführung in der Großküche beginnt bei dir

Die größte Herausforderung in der Führung ist oft nicht das Verhalten anderer Menschen, sondern der Umgang mit den eigenen Mustern. Was du im Außen erlebst, löst im Inneren Prozesse aus, die meist viel älter sind als die aktuelle Situation. Genau das zu erkennen, verschafft dir Handlungsspielraum, statt nur zu reagieren – ein zentraler Baustein für gesunde Führung und ein stabiles Team in der Gemeinschaftsverpflegung.

Wer diesen Ansatz im eigenen Betrieb vertiefen möchte, findet über das Netzwerk für Beratungskräfte in der Gemeinschaftsverpflegung weitere Impulse und Austausch mit anderen Fachkräften.

Häufige Fragen

Was bedeutet Selbstführung für Führungskräfte in der Großküche?

Selbstführung meint, die eigenen Gedanken, Gefühle und automatischen Reaktionen wahrzunehmen, bevor man handelt. In der Großküche zeigt sich das besonders unter Zeitdruck: Wer die eigenen Muster kennt, reagiert bewusster statt automatisch.

Warum reagiere ich manchmal unverhältnismäßig wütend?

Starke Wut entsteht oft, wenn eine aktuelle Situation einen persönlichen Wert oder eine alte Erfahrung berührt – etwa Ehrlichkeit oder Verlässlichkeit. Die Reaktion fällt dann größer aus, als es die Sachlage allein erklärt.

Was ist ein Trigger im Führungsalltag?

Ein Trigger ist ein Reiz, der eine starke emotionale Reaktion auslöst, weil er an eine ältere Erfahrung anknüpft. Wer seine Trigger kennt, kann bewusster reagieren statt automatisch.

Wie bleibe ich in Konfliktsituationen präsent?

Präsenz heißt, die eigene Emotion wahrzunehmen und trotzdem bewusst zu entscheiden, wie man handelt – zum Beispiel: „Ich bin wütend, und ich entscheide trotzdem bewusst, nicht aus dieser Wut heraus zu handeln.”

Kann man Selbstreflexion als Führungskraft trainieren?

Ja. Eine einfache Übung ist, sich nach einer aufregenden Situation gezielte Fragen zu stellen, etwa: „Worum ging es hier eigentlich?” Regelmäßig angewendet, vergrößert das den Raum zwischen Reiz und Reaktion.

Selbstführung in der Großküche lässt sich nicht an einem Nachmittag lernen – aber sie lässt sich gezielt trainieren, gemeinsam mit einem Team, das den Küchenalltag kennt. Wenn du für deine Küche, Kantine oder Einrichtung Unterstützung suchst, stell über das Formular unten eine unverbindliche Projektanfrage.


Kerstin Tillmanns

Kerstin

Als ausgebildete Diätassistentin und Hotelfachfrau verbindet Kerstin Tillmanns ernährungstherapeutisches Fachwissen mit einem tiefen Verständnis für Betriebsabläufe – von Klinik über Gemeinschaftsverpflegung bis hin zu Events. Mit ihrer Erfahrung in Betriebs- und Personalführung sorgt sie dafür, dass Qualität nicht nur geplant, sondern gelebt wird. Internationale Stationen haben ihren Blick geweitet, Weiterbildungen in Kommunikation und Psychologie schärfen ihre Fähigkeit, Teams mitzunehmen und Veränderungen erfolgreich umzusetzen.